Die MacSharry-Reform von 1992

9. Juni 2009

Als der Ministerrat 1992 erkannte, dass die vorangegangenen Maßnahmen keine ausreichende Besserung bewirkten, entschloss sich dieser  zu einer umfassenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik. Sie ist auch bekannt als „MacSharry-Reform“. Die Reform führte drei Hauptmaßnahmen ein: Die Kürzung der Interventionspreise um annähernd ein Drittel, einen Ausgleich dieser Kürzung in Form einer nach Kulturen gestaffelten Flächenbeihilfe und eine Lenkung der Produktion durch verbindliche Flächenstilllegung. Zur Reduzierung der Überproduktion mussten die Landwirte einen Teil ihrer Nutzfläche stilllegen, um einen Anspruch auf die Direktzahlungen zu bekommen. Durch diese „Entkoppelung“ der Produktionsentscheidungen von der Einkommensstützung der Landwirte, wollte man eine geringere Verzerrung der Marktmechanismen und somit eine effizientere Ressourcenallokation erreichen. So erhielten beispielsweise die Erzeuger von Ölsaaten nur noch den Weltmarktpreis zuzüglich einer Flächenbeihilfe zum Ausgleich des Preisunterschiedes. Die MacSharry-Reform ging jedoch über diese Markt- und Preispolitik hinaus. Es wurde ergänzend eine Vorruhestandsregelung für Landwirte ab 55 Jahren beschlossen. Diese Regelung sieht vor, den Landwirten, welche ihre landwirtschaftliche Tätigkeit aufgeben und die freigesetzten Anbauflächen anderen Betrieben übertragen, eine Produktionsaufgabenrente und ein Ausgleichsgeld für deren Familienangehörige zu gewähren. Außerdem wurde eine Verordnung über umweltverträgliche und den natürlichen Lebensraum schützende landwirtschaftliche Produktionsverfahren beschlossen. Die MacSharry-Reform stellt mit ihren weitreichenden Reformen einen einschneidenden und wichtigen Schritt zu einer effizienteren und kostengünstigeren Gemeinsamen Agrarpolitik dar. Es ist jedoch zu beachten, dass selbst nach dieser einschneidenden Reform die Markt-Preis-Mechanismen des Agrarmarktes einer starken Verzerrung unterliegen, da z.B. die Quotenregelung für Milch und Zucker nicht reformiert wurde.

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