Strommarkt: Rekordgewinne für Stromkonzerne

20. Oktober 2010

Gerade erst wurde die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke beschlossen und schon folgt eine thematisch passende Untersuchung der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Die Studie hat ergeben, dass die großen Stromkonzerne auf dem deutschen Strommarkt im letzten Jahr enorme Gewinne realisieren konnten – und dies in Zeiten der Krise. Die drei größten Energiekonzerne E.ON, RWE und EnBW erwirtschafteten laut der Studie insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro an Gewinnen. Die Gewinne der drei großen Anbieter haben sich somit auf dem Strommarkt insgesamt mehr als vervierfacht und betragen in der Summe – seit dem Jahr 2002 – über 100 Milliarden Euro. Die geplante Laufzeitverlängerung der AKWs spült den Protagonisten darüber hinaus in den nächsten Jahren weitere 70 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen in die bereits gefüllten Kassen.

Betrachtet man die Rendite, welche durch das eingesetzte Kapital erwirtschaftet wird, stellt sich unweigerlich die Frage, ob der deutsche Strommarkt unter mangelndem Wettbewerb leidet. RWE beziffert seine – durch die Stromerzeugung erzielte – Kapitalrendite auf sagenhafte 26,6 Prozent. Wie dieser mehr als gute Wert (für das Unternehmen) zustande kommt, kann im Einzelnen nicht dargestellt werden. Betrachtet man die stetig steigenden Preise für die Endverbraucher auf dem deutschen Strommarkt, lässt sich hier vermutlich ein erster Ansatzpunkt feststellen. Ferner wird auch die Strombörse einen Teil dazu beigetragen haben. Das Zustandekommen der Preise für die Endverbraucher ist in den letzten Jahren des Öfteren in die Kritik geraden – nicht zuletzt wegen der sogenannten Merit-Order und der fehlenden Transparenz. Auch Justus Haucap, Chef der Monopolkommission, sagte in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“:

„Die enormen Gewinne überraschen nicht. Es gibt keinen funktionsfähigen Wettbewerb bei der Energieerzeugung in Deutschland, das wurde durch die Laufzeitverlängerung für die Kernkraft noch einmal verfestigt.“

Wie sich die Situation auf dem Strommarkt in Deutschland weiter entwickelt hängt vor allem von den Entscheidungen der Politik ab. Die großen Energieproduzenten verfügen inzwischen über noch mehr Macht, als dies vor der Liberalisierung des Strommarktes vor nunmehr gut zehn Jahren der Fall war.

Erlöse der Stromerzeugungsunternehmen in Deutschland

Erlöse der Stromerzeugungsunternehmen in Deutschland (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Hier ist dringender Handlungsbedarf erforderlich, damit es in Zukunft zu mehr Wettbewerb bei der Stromerzeugung kommt und vor allem auch die erneuerbaren Energien ihren Stellenwert auf dem Strommarkt weiter ausbauen können und die klassische Stromgewinnung langfristig ersetzen können. Die neusten politischen Entscheidungen werfen jedoch die Frage auf, ob der „Politische Wille“ zur Etablierung einer nachhaltigen und wettbewerbsgesteuerten Energieproduktion in Deutschland tatsächlich gewünscht ist.

Was denken Sie über die neusten Entwicklungen auf dem deutschen Strommarkt? Wird Deutschland die Kurve noch kriegen oder den hart erkämpften Vorsprung bei den erneuerbaren Energien zunehmend verlieren?

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