Weltkatastrophenbericht 2011: Mehr übergewichtige als hungernde Menschen

22. September 2011

Während in den meisten Entwicklungsländern immer noch kein Ende der Hungersnöte absehbar ist, kämpfen in den Industrienationen immer mehr Menschen mit den Folgen des Übergewichts. Dies ist das Ergebnis des neusten Weltkatastrophenbericht 2011.

Noch absurder wird dieses Ungleichgewicht, wenn der folgende Gedankengang verinnerlicht wird: Immer mehr Zeit wird in den Industrienationen darauf verwendet die überflüssig zugenommenen Kalorien in der Freizeit durch sportliche Aktivitäten zu verbrennen. Auf der anderen Seite steigt die Arbeitsproduktivität in vielen Entwicklungsländern nur unterproportional und es muss in vielen Fällen die gleiche Zeit aufgewendet werden, um eine bestimmte Menge an Nahrungsmitteln zu erzeugen, als dies vor einigen Jahren bereits der Fall war.

Hungernde Frau in Afrika

Zu den Fakten des Weltkatastrophenbericht 2011

Die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond- Gesellschaften (IFRC) kommt in ihrem Weltkatastrophenbericht 2011 zu den folgenden Ergebnissen:

  • Über eine Milliarde Menschen auf der Welt leidet Hunger.
  • Aufgrund weltweiter Spekulationen mit Nahrungsmitteln steigen die Preise. Am stärksten betroffen sind:
    • Reis
    • Mais
    • Weizen
    • Öl
    • Zucker
    • Salz

IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta sagte zu den steigenden Preisen:

„Die Nahrungsmittelpreise kommen den alarmierenden Höhen der Krise von 2008 wieder näher, wobei die Ärmsten der Armen am stärksten betroffen sind“.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Händler in London oder New York entscheidet, ob ein Vater in einem Land wie Indien es sich leisten kann, seine Kinder zu ernähren“.

Weiterhin wirken sich die folgenden Faktoren negativ auf die Lebensqualität in den Entwicklungsländern aus:

  • Vor allem die Ärmsten der Armen leiden unter den steigenden Preisen.
  • Die Agrarproduktion ist in vielen Ländern sogar rückläufig.
  • Spekulativer Rohstoffhandel.
  • Starkes Bevölkerungswachstum.
  • Klimawandel.

Der unzureichenden Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist ferner die hohe Sterblichkeitsrate bei den Kindern geschuldet. Insgesamt sterben jedes Jahr über drei Millionen Kinder vor dem Erreichen ihres fünften Lebensjahrs an Unterernährung. Davon seien ungefähr 90 Prozent auf die Folgen von chronischen Hunger zurückzuführen und nicht, wie so oft angenommen, auf akute Hungersnöte.

Es handelt sich dabei um einen dauerhaften Zustand, welcher relativ unabhängig von aktuellen Ereignissen ist. Für diejenigen Kinder, welche es schaffen das fünfte Lebensjahr zu überleben, beginnt oft ein Leben mit den Folgen der Mangelernährung. Dies führt oftmals zu körperlichen und geistigen Entwicklungsdefiziten.

So hart dies auch klingen mag, aber die Mangelernährung hat somit indirekt einen Einfluss auf die zukünftige Produktivität der betreffenden Länder. Durch die starken Einschränkungen der betroffenen Personen sind diese in der Regel nicht in der Lage, die gleiche Produktivität wie gesunde Menschen zu erreichen. Dies führt dazu, dass Länder mit schlechter Nahrungsmittelversorgung tendenziell weniger produktiv sind (sein können) und somit schlechter gegen Katastrophen und Krisen geschützt sind – ein Teufelskreislauf.

Den kompletten Weltkatastrophenbericht 2011 gibt es hier zum Download: Weltkatastrophenbericht 2011 (englisch)

 

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