Entwicklungsprozess: Bedeutung des Agrarbereich

4. August 2009

Der Agrarbereich ist auch dadurch gekennzeichnet, dass im Zuge des Entwicklungsprozesses die absolute Anzahl an Arbeitskräften in diesem Sektor abnimmt. Der Landwirtschaftsbereich verliert also zunehmend seine relative Bedeutung am Entwicklungsprozess sowohl in Bezug auf die Wertschöpfung, als auch auf die Beschäftigung. Es kommt zu einem Einkommensgefälle, da die durchschnittliche Arbeitsproduktivität in den nicht landwirtschaftlichen Sektoren höher ist. Immer mehr Arbeitskräfte suchen eine Anstellung im besser entlohntem Industrie- oder Dienstleistungssektor. Trotzdem nehmen die absoluten Beschäftigtenzahlen der Landwirtschaft zu, jedoch ohne Produktionszuwächse zu  erreichen. Die gestiegenen Beschäftigungszahlen sind vielmehr darauf zurückzuführen, dass die Anzahl der Arbeitskräfte schneller zugenommen hat als der Bedarf an ihnen. Obwohl viele dieser Arbeitskräfte im Agrarbereich beschäftigt wurden, kam es zu keiner Steigerung der Agrarquote. Früher war man der Auffassung, dass für eine zunehmende Freisetzung von Arbeitskräften, ohne einen Produktionsrückgang dieses Sektors hinnehmen zu müssen, eine rasche Entwicklung des Agrarsektors notwendig sei. Man ging davon aus, dass durch die zunehmende Arbeitsproduktivität immer mehr Menschen in anderen Bereichen arbeiten, ohne dass die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung gefährdet ist. Unter Berücksichtigung der gewaltigen Bevölkerungsexplosion in den meisten Entwicklungsländern, kann man diesen Faktor außer Acht lassen. Steigt im Laufe des Entwicklungsprozesses die Anzahl der Beschäftigten in der Industrie, kommt es zu einem Einkommenszuwachs der industriellen Arbeitskräfte. Das zusätzliche Einkommen wird insbesondere in Ländern mit einem niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen größtenteils für Agrarerzeugnisse verwendet. Es ist daher erforderlich, die Produktion des Agrarbereichs an die entstandene Überschussnachfrage anzupassen. Die Expansion des Agrarsektors ist nicht nur für die Versorgung der industriellen Arbeitskräfte, welche meistens in den Städten vorzufinden sind, von großer Bedeutung. Die nicht im Inland absorbierten Erzeugnisse können exportiert werden und stellen so die Grundlage für die Finanzierung der von der Industrie benötigten Kapitalgüterimporte dar. Bevor ein Teil der Agrarerzeugnisse exportiert werden kann, muss die inländische Absorption befriedigt werden. Da die meisten Entwicklungsländer seit Jahren ein starkes Bevölkerungswachstum aufweisen, ist ein expandierender Agrarsektor unabdingbar, um die Grundversorgung der Bevölkerung zu sichern. Um dies zu erreichen, müssen entweder die zur Arbeit benötigten komplementären Faktorbestände vergrößert, oder technische Fortschritte realisiert werden.

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