Dritte Welt, Unterentwicklung, Arme-Welt: Definition

5. September 2009

Um die Probleme der Entwicklungsländer zu verstehen, muss man sich zunächst über den Begriff der „Unterentwicklung“ im Klaren sein, da nur mit einem Bewusstsein über den Begriff eine differenzierte Betrachtungsweise der Problematik möglich ist. Es ist heute aus diplomatischer Rücksicht üblich, nicht von unterentwickelten Ländern zu reden. Stattdessen wird der Begriff Entwicklungsländer verwendet. Dies lässt jedoch keine differenzierte Betrachtung der Entwicklungsunterschiede dieser Länder zu. Häufig wird auch der Begriff „Arme Welt“ gebraucht. Diese Bezeichnung ist jedoch irreführend, da es innerhalb der „Armen Welt“ auf der einen Seite wenige Menschen zu mehr Reichtum schaffen, auf der anderen Seite aber zunehmende Massenarmut vorhanden ist.

Der Begriff „Unterentwicklung“ umfasst aber noch wesentlich mehr. Er beinhaltet nicht nur finanzielle Aspekte, sondern berücksichtigt auch die Strukturdefizite, mit denen die meisten Länder der „Dritten Welt“ zu kämpfen haben. Im Allgemeinen kann man sagen, „Unterentwicklung“ bedeutet, dass ein Land in starkem Maße von Hunger, Krankheit und Analphabetismus beziehungsweise Unwissen betroffen ist.

Um den Begriff der „Unterentwicklung“ hinreichend abzugrenzen, ist es erforderlich, diesem weitere Merkmale zuzuordnen. Viele Wissenschaftler sind sich darüber einig, dass „Unterentwicklung“ in erster Linie mit einem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen einhergeht. Eine hohe Konsumquote der Wirtschaftssubjekte ist die Folge, da zuerst die Grundbedürfnisse befriedigt werden. Hierdurch entsteht ein hoher Verbrauchsanteil an Nahrungsmitteln am Gesamtkonsum. Durch die hohe Konsumquote bleibt wenig Geld zum Sparen übrig. Die Spar- und Investitionsquoten  verbleiben daher auf einem niedrigen Niveau. Weitere Indizien für „Unterentwicklung“ sind mangelnde Kapitalausstattung und geringe Produktivität der Arbeit, insbesondere in der Landwirtschaft. Es gibt darüber hinaus noch eine Reihe von Strukturmerkmalen, welche sich auf „Unterentwicklung“ zurückführen lassen. Die meisten Länder der „Dritten Welt“ weisen eine hohe Agrarquote auf, da kein Industrialisierungsprozess stattgefunden hat. Der niedrige Industrialisierungs- und Verarbeitungsgrad dieser Volkswirtschaften bezieht sich meistens nur auf agrarische und mineralische Rohstoffe. Die Verkehrserschließung und Energieversorgung der ländlichen Gebiete ist nur mangelhaft erschlossen.

Merkmale der Unterentwicklung

Es gibt aber auch eine ganze Reihe nicht-ökonomischer Faktoren, welche „Unterentwicklung“ charakterisieren. Ich will im Folgenden nur einige von ihnen nennen, da ansonsten der Rahmen dieser Arbeit gesprengt werden würde. Fast alle unterentwickelten Länder haben eine hohes Bevölkerungswachstum und schlechte Lebensverhältnisse, was zu einer geringen Lebenserwartung führt. Viele Menschen wandern von den ländlichen Regionen in die Städte ab, in der Hoffnung dort Arbeit zu finden. Die zunehmende Konzentration der Bevölkerung in den Ballungsgebieten fördert die Bildung von Slums. Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung sind Analphabeten und verfügen nur über ein geringes Bildungsniveau. Es fehlt an qualifizierten Arbeitskräften und Ausbildungsmöglichkeiten. Dies führt häufig, insbesondere angesichts der immer noch weit verbreiteten Subsistenzwirtschaft, zu einem Verharren in traditionellen Verhaltensweisen. Der Zustand der „Unterentwicklung“ kann daher auch nur dann nachhaltig überwunden werden, wenn die nötigen Reformen alle sozio-politischen Faktoren berücksichtigen. Weiter gilt es zu beachten, dass die „Dritte Welt“ nicht aufgrund ihrer Ressourcen- und Kapitalknappheit, der Bevölkerungsexplosion oder kultureller Rückständigkeit unterentwickelt wurde. Der Ursprung dieser unausgeglichenen „Entwicklung zwischen der „Dritten Welt“ und den Industriestaaten ist stattdessen auf den Imperialismus zurückzuführen. Während in Europa der Kapitalismus die Wirtschaft zunehmend industrialisierte, wurden die heutigen Entwicklungsländer als billige Rohstoffreservoirs missbraucht und darüber hinaus dazu gezwungen, ihre Märkte für die industriellen Massenprodukte zu öffnen.

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Klaus Herforden Januar 31, 2011 um 20:53

Sehr gut und überzeugend formuliert, vielen Dank, hat mir sehr geholfen.

Mit freundlichen Grüßen

Klaus H.

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