Dritte Welt: Definition und Begriffsabgrenzung

9. Januar 2010

Der Begriff der „Dritten Welt“ begann sich mit der ersten UNCTAD- Konferenz im Jahr 1964 durchzusetzen. Es fällt auf, dass man unter „Dritte Welt“ Länder mit sehr verschiedenen Problemen und Strukturen zusammenfasst. Unter ihnen befinden sich große und kleine, rohstoffreiche- und arme, kulturell vielfältige und innen- und außenpolitisch verschieden orientierte Staaten. Sie verfügen alle über unterschiedliche Entwicklungspotentiale und politische Systeme. Aufgrund der heterogenen Strukturen der Länder der „Dritten Welt“, kam es schon bald zu Identifizierungsproblemen. Einige „Dritte Welt-Staaten“ hatten große Erdölvorkommen und waren in der Lage diese zu exportieren. Andere Länder, ohne Ölvorkommen mussten Energie importieren und waren dadurch von den Erdöl exportierenden Ländern abhängig. Dies führte zu einem zunehmenden Interessenkonflikt.

Es handelt sich folglich um einen politischen Begriff. Die Differenzierung in verschiedene Gruppen, unterteilt nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sämtliche Länder der „Dritten Welt“ Entwicklungsländer sind, aber nicht alle Entwicklungsländer sich zur „Dritten Welt“ zurechnen. Es gibt sogar „Dritte Welt-Länder“, denen ihr Status als Entwicklungsland von einigen internationalen Entwicklungsagenturen aberkannt wurde, da ihr Pro-Kopf-Einkommen zu hoch ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich bei dem Begriff der „Dritten Welt“ um ein politisches Kriterium der Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Region in Verbindung mit dem ökonomischen Kriterium der „Unterentwicklung“ handelt. Menzel ging 1991 vom  „Ende der Dritten Welt“ aus, da die gemeinsame Basis und damit die gemeinsame Identifikation zunehmend an Bedeutung verloren. Nationale Interessen, unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangsbedingungen und unterschiedliche politische Systeme erlaubten es seiner Meinung nach nicht länger, diese Länder unter der Bezeichnung der „Dritten Welt“ zu vereinen. Für Menzel war der Begriff vor allem ein Mittel der politischen Propaganda, welche nur in den Theorien über „Entwicklung“ und „Unterentwicklung“ existieren.[1] Es gibt aber auch einige Wissenschaftler, die dies nicht so sehen. Sie gehen vielmehr davon aus, dass sich die Zugehörigkeiten lediglich neu formiert haben und nach dem Ende des Ost-West-Konflikts die Situation weiter verschärft wurde.

Der Begriff der „Dritten Welt“ hat also nach wie vor seine Berechtigung, wenn man ihn als eine Gemeinschaft von Entwicklungsländern versteht, welche sich zur Durchsetzung ihrer wirtschaftlichen und politischen Ziele gegenüber den Industrieländern in der „Gruppe der 77“ zusammengeschlossen haben.[2]


[1] Vgl. Nohlen, D./ Nuscheler, F. (1993), S.18

[2] Vgl. ebd., S.30

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Schönwald, Elka März 14, 2011 um 15:10

Mich würde interessieren, ob Thailand zu den Entwicklungsländern zählt?

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