Bedeutung des Industriesektors für die Entwicklung

6. August 2009

Die technologischen Fortschritte im Industriesektor sorgen ständig für sinkende, durchschnittliche Produktionskosten und sind auf die gestiegenen Produktionskapazitäten zurückzuführen. Da in den meisten Fällen die wirtschaftlichen Verflechtungen des Industriesektors mit ihren Zulieferern und Abnehmern intensiver sind als die des Agrarsektors, werden auch größere Wachstumsraten erzielt. Man kann dies unter anderem darauf zurückzuführen, dass in vielen Entwicklungsländern die Landwirtschaft in Form einer Subsistenzwirtschaft betrieben wird und kaum Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt hat. Unter Subsistenzwirtschaft versteht man eine Wirtschaftsform, in der die Produktion hauptsächlich dem Eigenbedarf dient und sich dadurch dem Markt weitgehend entzieht. Man bezeichnet sie deshalb auch als Bedarfsdeckungswirtschaft.[1] Betrachtet man alle Effekte gemeinsam, so erkennt man, dass die Bedeutung des Agrarsektors im Laufe des Entwicklungsprozesses im Sinne eines Wachstumsprozesses ständig abnimmt. Die Entwicklungsimpulse werden immer geringer. Allein durch eine gezielte Förderung des Agrarsektors kann ein Land nicht nachhaltig entwickelt werden. Der hohe Anteil der Agrarerzeugnisse am Bruttoinlandsprodukt zu Beginn des Entwicklungsprozesses muss aber dazu genutzt werden, die Vorraussetzungen für den Industrialisierungsprozess zu schaffen. So können zu Beginn des Industrialisierungsprozesses die Agrarexporte die notwendigen Devisen zum Aufbau des führenden Sektors erwirtschaften. Aufgrund weitreichender Interdependenzen zwischen Agrarsektor und führendem Sektor einer Volkswirtschaft wird oft davon ausgegangen, der Agrarsektor sei selbst ein führender Sektor. Dies ist jedoch ein Trugschluss, da der Agrarsektor zwar die Entwicklung des führenden Sektors beschleunigt, aber nicht mit diesem gleichzusetzen ist. Besonders im Frühstadium der „Entwicklung“ ist deutlich zu erkennen, dass sich die nicht landwirtschaftlichen Sektoren nur in dem Maße entwickeln können, wie der Agrarmarkt wächst.[2]

Im Laufe des Entwicklungsprozesses eines Landes nimmt die absolute agrarische Wertschöpfung zwar zu, sie verliert jedoch gleichzeitig einen zunehmenden Anteil am Bruttoinlandsprodukt, die Agrarquote nimmt also ab. Die industrielle Wertschöpfung nimmt hingegen sowohl absolut als auch relativ zu.[1]


[1] Vgl. Hemmer, H.R. (1988), S.467


[1] Vgl. Wahl, D. (2001), S.214

[2] Vgl. Priebe, H. (1980), S.17

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