Bedeutung des Agrarsektors für die Entwicklung: Teil 4
Durch ein ausgewogenes Wachstum zwischen Industrie- und Agrarsektor lässt sich inflationären Tendenzen entgegenwirken. Durch das steigende Pro-Kopf-Einkommen des industriellen Sektors steigt der Konsum und führt zu einer erhöhten inländischen Absorption. Um einem Nachfrageüberhang entgegenzuwirken, welcher steigende Preise zur Folge hätte, muss die Strukturanpassung beider Sektoren in gleichem Maße stattfinden. Da eine Preiserhöhung agrarischer Produkte nicht durch eine ausreichende Preissenkung industrieller Erzeugnisse kompensiert werden kann, wäre ein erhöhtes gesamtwirtschaftliches Preisniveau die Folge. Würden statt dessen zusätzliche Investitionen im Agrarsektor vorgenommen, könnten niedrigere Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse erzielt werden. Eine günstigere Versorgung der industriellen Arbeitskräfte wäre die Folge und es würde steigenden Nominallohnsätzen in der Industrie entgegengewirkt.[1]
Ein expandierender Agrarsektor ist in der Lage, einen Teil der industriellen Erzeugnisse zu konsumieren und stellt einen wichtigen Absatzmarkt für die inländische Industrie dar.
Je größer dabei der Anteil der Kapitalgüter ist, umso stärkere Produktionszuwächse können in der Landwirtschaft erreicht werden. Zu Beginn des Entwicklungsprozesses stellt der Agrarsektor einen wichtigen Faktor zur Kapitalbeschaffung dar, da er einen Großteil der Devisen erwirtschaftet, welche äußerst wichtig für den Ausbau des industriellen Sektors sind, da mit ihrer Hilfe notwendige Kapitalimporte finanziert werden können. Außerdem besteht die Möglichkeit, durch Steuern auf Agrarerzeugnisse oder Ersparnisse der Landwirte Kapital vom Agrarsektor in den industriellen Sektor zu transferieren. Die Relevanz des Agrarsektors zur Kapitalbeschaffung nimmt im Laufe des Entwicklungsprozesses jedoch ständig ab.[2]
[1] Vgl. Hemmer, H.R. (1988), S.484
[2] Vgl. Hemmer, H.R. (1988), S.487